Der Markt für Führungskräfte wird enger, selektiver und zugleich schwerer durchschaubar – selbst für erfahrene Kandidatinnen und Kandidaten. Bildquelle: Louis / pixabay.com

Führung im Umbruch: Wenn erfahrene Manager keinen Anschluss mehr finden

Der Arbeitsmarkt für Führungskräfte gerät zunehmend unter Druck. Während die Anforderungen an Leadership steigen, nimmt die Zahl verfügbarer Positionen ab. Unternehmen verschlanken Strukturen, bündeln Verantwortlichkeiten und streichen Managementebenen – mit spürbaren Folgen für erfahrene Führungskräfte.

Ein aktueller Beitrag von Business Insider macht diese Entwicklung greifbar. Im Zentrum steht die Managerin Alex Gessner: 37 Jahre alt, internationale Karriere, mehr als 15 Jahre Führungserfahrung – und seit Monaten ohne Job. Rund 250 Bewerbungen hat sie verschickt, geführt haben sie zu fünf Gesprächen, aber zu keiner Zusage. Ihr Profil ist dabei alles andere als durchschnittlich. Gessner startete früh bei American Express, übernahm bereits in jungen Jahren Führungsverantwortung und leitete später große Teams im Finanz- und Tech-Umfeld. Zuletzt war sie als COO in einer Berliner Beratung tätig. Ein klassisches Studium oder eine formale Ausbildung hat sie jedoch nicht.

Hier zeigt sich ein zentrales Problem: Erfahrung allein reicht oft nicht mehr aus. Gessner vermutet, dass sie in vielen Verfahren gar nicht bis zur eigentlichen Auswahl kommt – etwa weil formale Kriterien wie ein Hochschulabschluss vorausgesetzt werden. Absagen folgen teils innerhalb weniger Minuten. Für Bewerbende bleibt damit oft unklar, ob ihre Unterlagen überhaupt individuell geprüft wurden. Gleichzeitig ist der Markt deutlich enger geworden. Laut Indeed Hiring Lab ist die Zahl ausgeschriebener Management-Positionen in den vergangenen vier Jahren um mehr als ein Drittel zurückgegangen. In einem angespannten wirtschaftlichen Umfeld bauen Unternehmen Kosten ab und reduzieren Führungsebenen – insbesondere in den Bereichen, in denen Gessner bislang tätig war.

Und selbst dort, wo Positionen entstehen, sind sie häufig nicht öffentlich sichtbar. Gerade auf höheren Ebenen werden viele Rollen über Netzwerke oder Direktansprache besetzt. Klassische Bewerbungen verlieren damit an Bedeutung – entscheidend wird, überhaupt in den richtigen Kontexten präsent zu sein. Der Fall Gessner steht damit exemplarisch für eine breitere Entwicklung. Der Markt für Führungskräfte wird enger, selektiver und zugleich schwerer durchschaubar – selbst für erfahrene Kandidatinnen und Kandidaten.

ULA-Präsident Roland Angst warnt vor den Folgen. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und Transformation brauche es Führungskräfte, die Orientierung geben und komplexe Entscheidungen treffen. Wer an Führung spare, gefährde langfristig Wettbewerbsfähigkeit und Standortstärke. So entsteht ein Spannungsfeld, das viele derzeit erleben: Der Bedarf an Führung ist hoch – der Zugang dazu wird gleichzeitig schwieriger. Für erfahrene Führungskräfte bedeutet das vor allem eines: Sie müssen sich unter veränderten Bedingungen neu sichtbar machen.

Weitere Informationen finden Sie im Beitrag „Managerin auf Jobsuche: Trotz 250 Bewerbungen keine Zusage“ von Marlon Jungjohann, Business Insider (3. März 2026).

Hören Sie auch gern in unseren Podcast zur Kündigungswelle von Führungskräften herein, in dem Claus Verfürth, Experte für Karriereberatung für Top-Führungskräfte und Geschäftsführer unseres Kooperationspartners The Boardroom, diese Entwicklungen erläutert.