Die Bereitschaft, Führungsverantwortung zu übernehmen, nimmt ab. Damit stellt sich eine grundlegende Frage: Unter welchen Voraussetzungen bleibt Führung künftig attraktiv und anschlussfähig? Bildquelle: Gerd Altmann / pixabay.com

Sinkende Führungsbereitschaft: ULA-Stimmen im F.A.Z.-Diskurs

Die Bereitschaft, Führungsverantwortung zu übernehmen, nimmt ab – ein Befund, der zunehmend auch den öffentlichen Diskurs erreicht. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) greift das Thema auf und stellt Stimmen der ULA in einen größeren wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischen Kontext. Damit wird deutlich: Es handelt sich nicht um ein isoliertes Phänomen, sondern um eine strukturelle Herausforderung für den Arbeitsmarkt.

Eine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) zeigt zentrale Gründe für diese Entwicklung auf. Genannt werden insbesondere die hohe Arbeitsbelastung (77 %), die große Verantwortung (75 %) sowie die Sorge um die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben (73 %).

ULA-Präsident Roland Angst ordnet die Entwicklung ein: „Ich kann nachvollziehen, wenn der Gedanke an Führung abschreckt. Die Anforderungen sind umfangreicher geworden. […] Führungskräfte müssen heute mit technischen Entwicklungen Schritt halten, das moderne Arbeitsumfeld mit schnellen, unvorhersehbaren und häufigen Veränderungen berücksichtigen und ihr Unternehmen in einer Phase wirtschaftlicher Unsicherheit wettbewerbsfähig halten.“ Zugleich verweist er auf veränderte Rahmenbedingungen: „Die Erwartungen haben sich verändert: Junge Paare wollen sich heute sowohl beruflich verwirklichen als auch Verantwortung für Familie und Kinder teilen. […]“

Auch aus wissenschaftlicher Perspektive verdichtet sich dieses Bild. Prof. Dr. Theresa Treffers, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der ULA, bringt es auf den Punkt: „Führungskräften bleibt zu wenig Zeit für echte, wertschaffende Tätigkeit. Sie werden überschüttet mit E-Mails, Meetings und Anrufen, von denen sie nicht wissen, wie wichtig sie sind und die sie daher mit gleicher Priorität abarbeiten.“ Was sie hier beschreibt, zeigt sich ebenso in der Praxis. ULA-Vizepräsident Dr. Benjamin Koch verweist auf das Spannungsfeld zwischen wachsendem Gestaltungsanspruch und steigender Belastung. Gleichzeitig macht Prof. Dr. Jürgen Weibler deutlich, dass fehlende Erfahrungsräume und wenig attraktive Vorbilder dazu beitragen können, dass insbesondere jüngere Beschäftigte Führung zunehmend kritisch betrachten.

Dass die F.A.Z. diese Perspektiven aufgreift, ist mehr als ein Stimmungsbild. Es markiert eine Verschiebung im Diskurs: Führung wird nicht mehr selbstverständlich als nächster Karriereschritt verstanden, sondern als Rolle, deren Bedingungen neu bewertet werden. Damit stellt sich eine grundlegende Frage: Unter welchen Voraussetzungen bleibt Führung künftig attraktiv und anschlussfähig? Gefragt sind Rahmenbedingungen, die Gestaltung ermöglichen – und Führung nicht zusätzlich unter Druck setzen.

Der zugrunde liegende F.A.Z.-Artikel erschien in der Print-Ausgabe vom 21. März 2026 (S. 31).
Weitere Informationen sowie Hintergründe zur F.A.Z.-Berichterstattung finden Sie im entsprechenden ULA-Beitrag vom 21. März 2026.