Sozialabgaben unter Druck: ULA warnt vor zusätzlicher Belastung von Leistungsträgern
Die Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung entwickelt sich zunehmend zu einer zentralen sozial- und finanzpolitischen Streitfrage. Auslöser ist ein Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums, der unter anderem eine außerordentliche Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze um 3.600 Euro jährlich vorsieht.
Beim Deutschen Führungskräfteverband ULA stößt dieser Vorschlag auf deutliche Kritik. In seiner Stellungnahme bewertet der Verband die geplante Maßnahme als falsches Signal – gerade in einer Phase wirtschaftlicher Herausforderungen. ULA-Präsident Roland Angst warnt vor einer erneuten einseitigen Belastung von Fach- und Führungskräften: „Wer Verantwortung übernimmt, Leistung bringt und bereits einen überproportionalen Beitrag zur Finanzierung unseres Sozialstaats leistet, darf nicht immer wieder als erste Finanzierungsquelle herangezogen werden.“
Aus Sicht der ULA sei insbesondere die konkrete Ausgestaltung problematisch. Die geplante Anhebung erfolge zusätzlich zu den bereits spürbaren regulären Anpassungen der Beitragsbemessungsgrenzen und treffe vor allem Beschäftigte mit höheren Einkommen. Damit wachse die Belastung schneller als die Einkommen – mit spürbaren Folgen für Leistungsbereitschaft, Arbeitsanreize und die Attraktivität des Standorts Deutschland.
Zugleich bleibe der Entwurf hinter den Empfehlungen der FinanzKommission Gesundheit zurück. In ihrem ersten Bericht hat diese eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze ausdrücklich nicht empfohlen und stattdessen alternative Maßnahmen zur Stabilisierung der GKV aufgezeigt.
Auch die vorgesehene Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnerinnen und -partnern wird in der Stellungnahme kritisch eingeordnet. Zwar könne eine stärkere Erwerbsbeteiligung grundsätzlich ein sinnvolles Ziel sein. Ohne angemessene Übergangsregelungen drohe die Maßnahme jedoch insbesondere diejenigen zu treffen, die ihre Lebensplanung über Jahre hinweg auf den bestehenden Regelungen aufgebaut haben und sich kurzfristig nur begrenzt anpassen können.
In der Gesamtschau ergibt sich aus Sicht der ULA ein strukturelles Problem: Statt die Finanzierungsbasis der Sozialversicherung durch Reformen zu stärken, würden zusätzliche Belastungen geschaffen. Erforderlich seien nachhaltige Reformen, mehr Effizienz auf der Ausgabenseite sowie verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, die Leistung und Verantwortung stärken – höhere Abgaben seien hierfür kein Ersatz.
Weitere Informationen sowie die vollständige Stellungnahme der ULA zum Referentenentwurf des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes finden Sie hier:
https://www.ula.de/ula-stellungnahme-zum-gkv-beitragssatzstabilisierungsgesetz/
Parallel dazu veröffentlichte die ULA eine Pressemitteilung („Führungskräfteverband warnt vor 3.600-Euro-Sprung bei Sozialabgaben“):
https://www.ula.de/fuehrungskraefteverband-warnt-vor-3-600-euro-sprung-bei-sozialabgaben/